Denkstatt-Studie belegt: Verpackung sorgt für weniger Lebensmittel-Abfälle

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Vergleich der CO2-Emissionen von Verpackungen und Lebensmitteln (Quelle: ARA)

Wien — Viele Lebensmittel verderben ohne entsprechenden Schutz sehr rasch und landen daher im Abfall. Eine neue Studie der denkstatt in Kooperation mit der Altstoff Recycling Austria AG und weiteren Projektpartnern hat nun untersucht, inwieweit optimierte Lebensmittelverpackungen den Klimafußabdruck von Lebensmitteln verringern können – trotz teilweise höherem Verpackungsabfall.

Über 100 Millionen Tonnen an Lebensmitteln landen pro Jahr allein in Europa im Müll. Diese Tatsache hat starke Auswirkungen auf den ökologischen Fußabdruck eines jeden Einzelnen: 30 Prozent der Treibhausgasemissionen eines durchschnittlichen Europäers stehen mit der Produktion, Distribution und Verwendung von Lebensmitteln in Verbindung. „Vermeidung von Lebensmittelabfällen durch Verpackung“ ist deshalb auch das Thema der breit angelegten Studie, die denkstatt in Kooperation mit der Altstoff Recycling Austria AG und zahlreichen anderen Projektpartnern im Jahr 2014 durchführte.

Anhand von sechs Fallbeispielen wurde untersucht, wie sich optimierte Verpackungen auf die Abfallmenge und Klimarelevanz im Lebensmittelbereich auswirken. Gemeinsames Anliegen der Projektpartner aus der gesamten Wertschöpfungskette war, mit empirisch belegten Fakten zur Objektivierung des Themas, zur weiteren Optimierung von Verpackungen und damit zur Abfallvermeidung beizutragen.

Mehr Verpackung, weniger CO₂

Beispielsweise scheint bei Hartkäse durch den Einsatz einer Plastikschale mit Deckelfolie zunächst mehr Abfall zu entstehen als bei unverpackter Ware in der Frischtheke. Die Studie zeigt aber, dass der Verderb der verpackten Ware im Handel nur 0,14 Prozent beträgt, an der Theke entstehen dagegen 5 Prozent Käseabfall. Der Mehraufwand durch die Verpackung entspricht 28g CO₂-Äquivalenten (CO2e), die Vermeidung des Lebensmittelabfalls jedoch 69 g CO2e.

Ein Hefezopf, der in einer Kunststofffolie statt in einem Papierbeutel mit Sichtfenster verpackt ist, spart nicht nur 12 g CO₂e an Verpackung, sondern auch 136 CO₂e an Lebensmittelabfällen, weil die Abfallquote im Handel von 11 Prozent auf 0,8 Prozent sinkt. Ähnliches gilt auch für Fleisch, das in einer „Darfresh“-Verpackung eingeschweißt ist. Dadurch wird die Haltbarkeit von 6 auf 16 Tage erhöht und die Abfallmenge um 16 Prozentpunkte gesenkt.

Der erste Eindruck kann trügen

„Da der Klimafußabdruck der Verpackung um ein Vielfaches geringer ist als der Umweltaufwand, den Nahrungsmittel in der Produktion verursachen, muss es Ziel sein, Lebensmittel optimal zu schützen und ihre Haltbarkeit zu verlängern“, betont Projektleiter Harald Pilz von denkstatt. Durch den richtigen Einsatz von Verpackungen wird die Mindesthaltbarkeit oft deutlich erhöht und Lebensmittel sind bei Transport und Verkauf geschützt.

Die vorliegende Studie befasst sich ausschließlich mit den Lebensmittelabfällen, die im Handel anfallen. Geht man einen Schritt weiter und bezieht auch den Endkonsumenten in die Rechnung mit ein, fällt der Unterschied noch deutlicher aus. Umweltbewusste Kunden greifen oft zu unverpackter Ware und haben das Gefühl, Ressourcen zu schonen. Jedoch hinterlassen viele verpackte Waren einen kleineren ökologischen Fußabdruck, als die unverpackten Produkte, die dementsprechend schneller verderben. „Der erste Eindruck kann trügen“, erklärt Harald Pilz, „Lebensmittelverpackungen leisten einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz – vor allem, wenn sie optimiert sind.“

Weitere Unterlagen zur Studie können unter denkstatt.at heruntergeladen werden.

Quellen: denkstatt GmbH, Altstoff Recycling Austria AG (ARA)