PET: Force Majeure-Meldungen führen zu Rohstoff-Verknappung und Preisanstieg

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PET-Sortierung (Foto: PET-Recycling Schweiz)

Bad Homburg — Die aktuellen Zahlen des IK-Konjunkturtrends geben zu Optimismus Anlass: Die deutschen Kunststoffverpackungshersteller prognostizieren für das zweite Quartal 2015 einen weiteren konjunkturellen Aufschwung. Diese positive Entwicklung ist allerdings nach Ansicht der IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen e.V. gefährdet, da die großen Rohstofflieferanten sich zurzeit nicht mehr in der Lage sehen, ihre vertraglichen Verpflichtungen gegenüber den Verpackungsherstellern einzuhalten. Bereits zugesagte Lieferungen würden storniert. Wenn Lieferungen erfolgen, verlangten die Rohstofflieferanten hierfür massive Preisaufschläge, und das bei weiterhin sehr moderaten Rohölkosten. Ein Ende dieser Preisspirale sei nicht absehbar.

Hauptgrund: Force Majeure-Meldungen

Neben dem Export großer Mengen von Kunststoffen in außereuropäische Regionen wie China, Afrika oder Mittel- und Südamerika liegt der wesentliche Grund für die Rohstoffverknappung in den Force Majeure-Meldungen. Wie eine „Epidemie“ sind nach Darstellung der IK in den letzten Wochen europaweit Forces Majeures von den Rohstoffproduzenten gemeldet worden. Diese Meldungen hätten bisher keine detaillierten Informationen enthalten. Sie liessen damit nur schwer eine Bewertung zu, ob die Bedingungen für ein Force Majeure auch wirklich erfüllt seien.

Das Vorliegen eines Force Majeure setzt höhere Gewalt voraus, also ein Ereignis, das von außen kommt und in keinem betrieblichen Zusammenhang steht. Die bloße Geltendmachung von „Störfällen“ oder „technischen Problemen“ reicht hierfür regelmäßig nicht aus. Diese Ursachen liegen allein in der Risikosphäre des Rohstofflieferanten. Die kaufmännische Sorgfaltspflicht verlangt in diesen Fällen das Vorhalten entsprechender Lagerkapazitäten.

Margen- und Imageverluste drohen

Die jetzige Rohstoffverknappung und Preisexplosion stellen die meist mittelständischen Kunststoffverpackungs-Hersteller vor sehr große Probleme. Durch den hohen Rohstoffkostenanteil von bis zu 70 Prozent bei Kunststoffverpackungen drohen existenzgefährdende Margenverluste. Neben dem wirtschaftlichen Schaden ist aber auch ein erheblicher Imageverlust die Folge der jetzigen Situation. Der Handel, die Lebensmittelbranche sowie andere bedeutende Abnehmerindustrien legen Wert auf verlässliche Vorlieferanten. Bei keiner anderen Packmittelbranche, weder bei Papier noch Metall, ist es bisher zu derart schwerwiegenden Vorgängen gekommen.

Partnerschaftliches Verhalten gefordert

Die Produktion von Kunststoffverpackungen konnte in den letzten 25 Jahren in Deutschland verdoppelt werden, nicht zuletzt durch das innovative Engagement der Verpackungshersteller. Auch die Rohstoffproduzenten haben davon wesentlich profitiert. Das immer wieder von ihnen eingeforderte partnerschaftliche Verhalten, insbesondere bei Kontrakt-Kunden, sollten sie jetzt auch für sich selbst in Anspruch nehmen. Hierzu gehört vor allem wirtschaftliches Augenmaß.

Siehe zum Thema auch „Very damaging effects: EuPC warns on force majeure declarations“.

Quelle: IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen e.V.