PET-Recycling Schweiz: Neu-PET aus Billig-Öl verdrängt PET-Rezyklat

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Sortieranlage (Foto: PET--Recycing Schweiz)

Zürich — Die Erdölpreise sind seit einiger Zeit im Keller und der Euro schwächelt weiterhin. Deshalb entwickelt sich das Recycling von PET-Getränkeflaschen immer mehr zu einer „idealistischen Angelegenheit“. Wer statt Neu-PET das umweltfreundliche, aber teurere PET-Rezyklat für die Flaschenproduktion einsetzt, nimmt bewusst finanzielle Einbussen in Kauf, meldet PET-Recycling Schweiz.

Bis vor etwa einem Jahr hatte das in der Schweiz produzierte PET-Rezyklat im Vergleich zu Neu-PET nicht nur in Sachen Nachhaltigkeit die Nase vorn, sondern konnte auch preislich mithalten. Seit die Ölpreise aber regelrecht eingebrochen sind, ist Neu-PET auf den internationalen Märkten günstiger zu haben als das Schweizer PET-Rezyklat. Nicht nur die Schweizer Recyclingindustrie bekommt das schmerzhaft zu spüren. Quer durch Europa mussten Recyclingbetriebe Kurzarbeit einführen. Ein Grund für den Ölpreiszerfall ist der ökologisch fragwürdige Schieferöl-Boom durch Fracking in den USA. Er hat dazu geführt, dass die Ölförderstaaten aus dem nahen und mittleren Osten mit aggressiven Preissenkungen reagieren, um ihre Marktanteile zu verteidigen.

PET-Verwertungsquote von 83 Prozent

Die Schweiz hat vor 25 Jahren einen sehr gut funktionierenden Recyclingkreislauf für PET-Getränkeflaschen aufgebaut, weil Erdöl und Erdgas nicht unendlich zur Verfügung stehen und aufwändig in der Gewinnung sind. Heute beträgt die PET-Verwertungsquote 83 Prozent, und die Schweiz hat es als eines der ersten Länder geschafft, einen geschlossenen Flaschenkreislauf aufzubauen. Was nichts anderes bedeutet, als dass aus den leeren PET-Getränkeflaschen Rezyklat gewonnen wird, das lebensmitteltauglich und genug rein ist, um daraus immer wieder neue PET-Getränkeflaschen herzustellen. Dieses Schweizer PET-Rezyklat ist zweimal umweltfreundlicher als Neu-PET, weshalb aus Sicht von PET-Recycling Schweiz die Bezeichnung Öko-PET durchaus angebracht ist.

Zum Kauf von Schweizer PET-Rezyklat verpflichtet

Dieser höchst ökologische PET-Recyclingstandard ist in Gefahr, wenn nun aus wirtschaftlichen Gründen auf den Einsatz des umweltfreundlichen PET-Rezyklats verzichtet wird. Das wollen die Mitglieder von PET-Recycling Schweiz, zu denen sämtliche Getränkehersteller und Detailhändler gehören, verhindern: Sie haben sich darauf geeinigt, das ganze System nach Kräften zu unterstützen. Die Mitglieder, die eigene Flaschen produzieren, haben sich dazu verpflichtet, weiterhin das teurere PET-Rezyklat zu kaufen und einzusetzen. „Wenn es die Situation erfordert, dann sind unsere Mitglieder bereit, ihre eigenen wirtschaftlichen Interessen für den Umweltschutz in den Hintergrund zu stellen“, erklärt Jean-Claude Würmli, Geschäftsführer von PET-Recycling Schweiz. „Sie nehmen bewusst finanzielle Einbussen in Kauf, bis sich die PET-Märkte wieder normalisiert haben. Dafür sind wir unseren Mitgliedern sehr dankbar.“

Flaschenkreislauf weiterhin finanziert

Davon profitiert die Umwelt: Durch den geschlossenen Flaschenkreislauf werden weiterhin jährlich 124.000 Tonnen Treibhausgase eingespart, weil im Recyclingprozess viel weniger Energie verbraucht wird als in der Neuproduktion. Mit der Herstellung neuer Produkte aus Öko-PET werden darum 50 Prozent Energie entsprechend 36 Mio. Liter Erdöl eingespart.

Folgende Mitglieder von PET-Recycling Schweiz setzen weiterhin das umweltfreundliche Schweizer PET-Rezyklat in ihren eigenen Flaschen ein: Aproz Sources Minérales SA/Bischofszell Nahrungsmittel AG/Migros-Genossenschaft-Bund, Coca-Cola HBC Schweiz AG, Feldschlösschen Getränke AG, Goba AG, Mineralquelle Bad Knutwil AG, Nestlé Waters (Suisse) SA, Pearlwater Mineralquellen AG/Coop Genossenschaft, Ramseier Suisse SA und Rivella AG. Weitere 76 Mitglieder, die Standardflaschen einsetzen oder importieren, haben sich dazu verpflichtet, den Flaschenkreislauf weiterhin zu finanzieren.

Quelle: PET-Recycling Schweiz