Verpackungsbranche ehrte Prof. Dr. Klaus Töpfer als Vorreiter der Kreislaufwirtschaft

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Prof. Dr. Klaus Töpfer bei der Verleihung des Dieter Berndt Preises (Foto: Deutsches Verpackungsinstitut e. V.)

Berlin — Mit dem neu geschaffenen „Dieter Berndt Preis“ ehrte das Deutsche Verpackungsinstitut e.V. Prof. Dr. Klaus Töpfer auf dem 10. Deutschen Verpackungskongress am 19. März 2015. Der ehemalige Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit und heutige Exekutivdirektor des IASS Institute for Advanced Sustainability Studies Potsdam erhielt den Preis für sein nachhaltiges Wirken für Gesellschaft, Entsorgungsbranche und nachfolgende Generationen.

In ihrer Laudatio würdigten Thomas Reiner, Vorstandsvorsitzender des dvi, und der Fernsehmoderator und Journalist Normen Odenthal das nachhaltige Wirken von Prof. Dr. Klaus Töpfer, der 1988 mit der „Verordnung über die Rücknahme und Pfanderhebung von Getränkeverpackungen aus Kunststoffen“ ein Gesetz schuf, das den Begriff der „Produktverantwortung“ etablierte und zum Türöffner für aktive Ressourcen- und Recyclingpolitik wurde. „Es war ein ‚point of no return‘, für den Sie damals nicht nur Applaus erhielten, der aber als echte Pionierleistung einen Weg öffnete, der bis heute alternativlos ist“, unterstrich Normen Odenthal.

Die Verpackung war sehr früh ein Pionier

Am 12. Juni 1991 wurden dann die 14 Paragrafen der „Verordnung über die Vermeidung und Verwertung von Verpackungsabfällen“ vom Deutschen Bundestag verabschiedet. Die Verantwortung für die Entsorgung von Verpackungen wurde durch das Gesetzt in die Hände von Herstellern und Vertreibern gelegt. Thomas Reiner verwies in diesem Zusammenhang auf den jüngst verabschiedeten Gesetzentwurf der Bundesumweltministerin Barbara Hendricks für eine Reform des Elektro- und Elektronikgerätegesetzes. „Die Verpackung war hier schon sehr früh ein Pionier“, betonte der dvi-Vorsitzende.

Und fügte hinzu: „Sie übernimmt dazu sehr oft die Funktion eines Leuchtturms, gerade auch in Umweltfragen. Obwohl sie nur rund 1 Prozent des gesamten CO2-Fußabdrucks und nur rund 4 Prozent des deutschen Abfalls ausmacht, wird sie bevorzugt wahrgenommen und diskutiert, was daran liegen mag, dass sie jeder Bürger jeden Tag vielfach in den Händen hält und benutzt.“ 1994 folgte das „Gesetz zur Förderung der Kreislaufwirtschaft und Sicherung der umweltverträglichen Beseitigung von Abfällen“, dass zusammen mit der EG-Verpackungsrichtlinie von 1994, deren Vorbereitung ebenfalls noch in die Amtszeit von Töpfer fiel und den Grundstein für eine Kreislaufwirtschaft legte.

Es musste also etwas geschehen

In seiner Rede ging Klaus Töpfer auf die Situation vor 25 Jahren ein, bevor er einen Ausblick auf die anstehenden Aufgaben gab, die angesichts einer Welt mit 9 Milliarden Menschen mit unveränderter Dringlichkeit vor uns liegen. „Nur das Erinnern ist fruchtbar, das daran erinnert, was noch zu tun ist“, zitierte das Mitglied der „Earth Hall of Fame“ von Kyoto dabei den Philosophen Ernst Bloch.

Prof. Töpfer zeigte sich gleichsam erfreut und überrascht, dass „Sie den ersten Dieter Berndt-Preis an den gelben Sack verleihen. Hätte mir jemand vor 25 Jahren gesagt, ich würde als erster Preisträger just von der Verpackungswirtschaft geehrt, hätte ich ihn wegen nachgewiesener Gedankenschwäche untersuchen lassen.“ Töpfer erinnerte an die Situation Anfang der 90er Jahre, als es „quasi unmöglich war, auf lokaler Ebene eine neue Deponie oder eine Müllverbrennungsanlage durchzusetzen. Aber die Müllberge wuchsen weiter an. Wir waren auf direktem Weg zu neapolitanischen Verhältnissen.“ Es musste also etwas geschehen. Und dieses „etwas“ war die Kreislaufwirtschaft.

Wir müssen Vorreiter sein

„Einer denkt es sich aus, einer produziert es, einer verkauft es, einer verbraucht es – und niemand denkt an das, was übrig bleibt. Aber so funktioniert das nicht“, meinte Klaus Töpfer. „Natürlich stellte die Idee einer Kreislaufwirtschaft etablierte Markt- und Businessmodelle in Frage – und die Reaktion war entsprechend. Inzwischen ist die Kreislaufwirtschaft ein Exportschlager geworden. Sie schafft neue Marktsegmente und einen neuen Wettbewerb. Heute streiten sich alle um diese sogenannten „Abfälle“. Es ist ein neues Business Case geworden.“

Kreislaufwirtschaft, erneuerbare Rohstoffe und Sharing Economy: „Es wird noch vieles zu tun sein in einer Welt mit neun Milliarden Menschen, die noch dazu nicht gleichmäßig verteilt sind“, erinnerte Klaus Töpfer die Kongressteilnehmer und nahm sie in die Verantwortung: „Wer sonst als ein technologisch führendes Land mit wirtschaftlicher Stabilität sollte anfangen, Dinge zu verändern? Wir müssen Vorreiter sein!“

Quelle: Deutsches Verpackungsinstitut e. V.