Österreichische Papierindustrie fordert Überprüfung der Ökostrompolitik

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Quuelle: Austropapier

Wien — Nach 13 Jahren Erfahrung mit dem Ökostromgesetz fordert die Österreichische Papierindustrie eindringlich eine Überprüfung der derzeitigen Förder-Politik. Dass die volkswirtschaftlich und ökologisch – etwa im Hinblick auf die CO2-Ziele – bestmögliche Nutzung der heimischen Ressource Holz nicht in einer Forcierung der Verbrennung liegt, zeigen deutlich auch zwei jüngst publizierte Studien des UBA und des Klima- und Energiefonds: Der Einsatz von Holz in der Papierindustrie bringt bessere Werte für Umwelt, Wirtschaft und Beschäftigung als eine – hoch subventionierte – reine Verbrennung.

Holz ist eine zwar erneuerbare, durch das langsame Wachstum aber selbst im „Holzland Österreich“ begrenzte Ressource. Deren Potential kann nur dann ausgeschöpft werden, wenn die unterschiedlichen Qualitäten der jeweils nachhaltigsten Nutzung zugeführt werden.

Konzept der Kaskadennutzung

Seit 2002, also seit beinahe 13 Jahren, fördert das Ökostromgesetz jedoch die reine energetische Verwertung von Holz. Allerdings einseitig: Denn auch die Papierindustrie praktiziert – ohne staatliche Förderung – die Energiegewinnung aus erneuerbaren Energieträgern und nutzt die bei der Produktion anfallenden Holzreststoffe zur Deckung des eigenen Strom- und Wärmebedarfs. Das Konzept der Kaskadennutzung von Holz, also erst die stoffliche und dann die thermische Verwertung, beinhaltet ein Hintereinanderschalten von stofflichen Nutzungsarten. Dabei können ausgeschleuste Fraktionen oder das am Ende der Lebenszeit nicht mehr nutzbare Material thermisch genutzt werden. Diese Mehrfachnutzung von Holz schafft deutlich mehr Wertschöpfung und Arbeitsplätze und trägt zusätzlich zum Klima- und Ressourcenschutz bei. Das zeigen auch aktuelle Studien des Umweltbundesamtes und des Klima- und Energiefonds.

Verbrennung ist Low-Tech

„Der Einsatz von Holz ausschließlich zur Verbrennung ist Low-Tech. Die subventionierte Verschwendung von Holzsortimenten durch ökologisch und ökonomisch fragwürdige Biomasse-Projekte darf so nicht weitergehen; wir müssen diese wertvolle Ressource vernünftig nutzen. Die volle Ausschöpfung der Wertschöpfungskette ist zu garantieren – das Motto muss also Veredeln vor Verbrennen sein,“ ist Alfred Heinzel, Präsident der Österreichischen Papierindustrie, überzeugt und spielt damit auch auf die kürzlich erneut erteilte, nicht rechtskräftige gewerberechtliche Genehmigung des Biomasseheizkraftwerks in Kärnten an.

„Der geplante Bau des Kraftwerks in Klagenfurt ist sowohl ökologisch als auch wirtschaftlich fragwürdig und wäre ein weiterer Schritt in die falsche Richtung. Die Politik wäre gut beraten, die Widerstände gegen weitere Mega-Heizkraftwerke ernst zu nehmen und die Gelegenheit für einen breiten Dialog zu nutzen. Es geht hier nicht um Partikularinteressen oder publikumswirksame Schlagworte – hier steht der Umgang Österreichs mit seinem wahrscheinlich wichtigsten Rohstoff auf dem Prüfstand. „Man sollte gemeinsam nach einer sinnvollen Lösung suchen“, bietet Heinzel an.

Quelle: Austropapier – Vereinigung der Österreichischen Papierindustrie