IARC 2015: Automobilrecycler präsentierten neue Verfahren & Lösungen

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Artemis Hatzi-Hull (Mitte): "Herausforderungen durch illegale Behandlung und illegalen Export von Altfahrzeugen" (Foto: ICM AG)

Berlin — Die europäische Automobilrecycling-Branche gibt sich zuversichtlich, auch die neuen Anforderungen der EU-Altfahrzeug-Richtlinie zu erfüllen. Zwar ist die Verwertungsquote von 95 Prozent, die seit Beginn dieses Jahres europaweit gilt, anspruchsvoll. Doch mit geeigneten Verfahren und dem nötigen politischen Willen lässt sich die Quote erfüllen. Das wurde aus den rund 30 Vorträgen deutlich, die in der vergangenen Woche beim diesjährigen Internationalen Automobil-Recycling Kongress IARC 2015 vom 25. bis 27. März in Berlin präsentiert wurden.

Inhaltlich reichte die Bandbreite der Vorträge von der Demontage der Altfahrzeuge bis hin zur Separierung und Verwertung von kritischen Metallen. Im Mittelpunkt standen Erfahrungsberichte, neue Forschungsansätze sowie die Vorstellung neuer Verfahren. So berichtete Manuel Burnand vom französischen Recycler Derichebourg über unternehmenseigene Shredderinitiativen, während Elisa Bonaldi von der Automobilzuliefer-Firma Federal Mogul ein neues Produkt zur Geräuschunterdrückung vorstellte, das aus der Shredderleichtfraktion gewonnen wird. Weitere Vorträge drehten sich um den neuen Plasmaschmelzofen von Duesman & Hensel, das Demontageinformationssystem IDIS und die Verwertung von Akkus aus Elektrofahrzeugen.

Illegale Exporte verhindern notwendigen Input

Ergänzt wurden die Vorträge durch Länderberichte aus Griechenland, Holland, Mexiko, Kanada und Indien. Euripides Paul Korres vom griechischen Altauto-Verwerter Anamet etwa zeigte sich zuversichtlich, die Verwertungsquote von 95 Prozent noch in diesem Jahr zu erreichen. Doch unter den Teilnehmern des Kongresses bestand auch Einigkeit, dass es dafür nicht nur die richtige Technologie erfordert, sondern auch den notwendigen Input in Form von Altfahrzeugen.

Das sieht auch die Europäische Kommission so. Die illegale Behandlung und der illegale Export von Altfahrzeugen seien die wichtigsten Herausforderungen für die Altautoverwertung in Europa, betonte Artemis Hatzi-Hull, zuständig für den Bereich Abfallentsorgung in der Generaldirektion Umwelt der Europäischen Kommission. Sie nannte noch eine Reihe weiterer Maßnahmen, um die Altautoverwertung zu verbessern, darunter eine Harmonisierung des Berichtsystems und eine bessere Information der Demontagebetriebe über die Recyclingfähigkeit einzelner Materialien.

Am ökonomischen und technischen Fortschritt orientieren

Verbesserungen schlugen auch Vertreter der Automobilindustrie vor. Erik Jonnaert, Generalsekretär des europäischen Automobilverbands ACEA, forderte unter anderem, einen Verwertungsnachweis als Regel einzuführen. Wolfram Thomas, Konzernbeauftragter für Umwelt, Energie und neue Geschäftsfelder beim Automobilhersteller VW, skizzierte beim IARC die Umweltstrategie seines Konzerns. VW will bis 2018 der weltweit umweltfreundlichste Automobilhersteller werden. Einer der Bausteine ist dabei die Verwertung von Altfahrzeugen. Darüber hinaus machte Reinhard Hoock von BMW auf die bereits geleisteten Beiträge der Automobilindustrie zur Reduzierung von Schwermetallen aufmerksam. Weitere Maßnahmen sollten sich am ökonomischen und technischen Fortschritt orientieren, forderte er in Berlin.

Insgesamt besuchten über 250 Teilnehmer den diesjährigen IARC. Darüber hinaus präsentierten sich rund 30 Aussteller. Die am dritten Kongresstag durchgeführten Exkursionen führten in diesem Jahr zur Post-Shredder-Anlage des Stahlrecyclingunternehmens Scholz in Leipzig-Espenhain, zur Shredder-Anlage der Metallrecyclinggruppe TSR in Brandenburg und zum BMW-Werk in Leipzig. Der IARC ist weltweit der einzige Fachkongress, der sich ausschließlich dem Thema Automobil-Recycling widmet.

Im kommenden Jahr wird der Kongress erneut in Berlin stattfinden. Der Termin ist vom 16. bis 18. März 2016.

Quelle: ICM AG