DGAW diskutierte über Zukunft der MBA im Abfallmarkt Deutschland

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Quelle: Deutsche Gesellschaft für Abfallwirtschaft e.V.

Berlin / Hannover — „Zukunft der MBA im Abfallmarkt Deutschland“ lautet der Titel einer neuen Studie des Trend- und Marktforschungsistituts trend:research. Die Unterschung analysiert rechtliche Rahmenbedingungen, Verfahren und Technologien der Abfallbehandlung, Abfallmengen und Entsorgungswege, die Marktsituation inklusive Markt- und Wettbewerbstrends sowie die Rolle von mechanisch-biologischen Abfallbehandlungsanlagen (MBA) in der Politik. Abschließend kommt die Studie zum Ergebnis, dass „das Konzept der MBA langfristig […] nicht mit den Zielen einer möglichst vollständigen Verwertung und der Abwendung von Deponierung zu vereinbaren [ist]. Sowohl das stoffliche als auch das energetische Potenzial des Abfalls wird in MBA in der Regel geringer genutzt als in MVA.“

Die Studie zeigt auf, dass es MBA in ihrer heutigen Ausführung in den kommenden Jahren schwer haben werden, sich erfolgreich zu positionieren: Sie stehen vor einer geringeren Auslastung und im Wettbewerb oft hinter MVA, da sie eine geringere Verwertungsquote als MVA aufweisen und die Kosten je Tonne behandelten Abfalls in der Regel höher sind. Es ist zu erwarten, dass Anlagenbetreiber auf diese Entwicklungen reagieren werden und die biologische oder mechanische Aufbereitungsstufe – zumindest zeitweise – stilllegen.

Reinvestition, Umrüstung oder Stilllegung

Ausgangspunkt der Ergebnisse der Studie ist die Feststellung, dass bei einer regulären Betriebszeit von 15 Jahren für viele MBA in den kommenden Jahren die Entscheidung anstehe, in eine Erneuerung der Anlage zu reinvestieren oder die Kapazität vom Markt zu nehmen. Parallel ist auf Basis der aktuellen Gesetzgebung davon auszugehen, dass die Inputstoffe für die biologische Behandlungsstufe in MBA durch die Einführung der Biotonne stark reduziert werden, sodass bei vielen Anlagen Umrüstungen erforderlich werden. Zusätzlich führe die Einführung der Wertstofftonne dazu, dass sowohl der Heizwert des aufbereiteten Materials als auch der Anteil an Metall sinken, wodurch in einigen Anlagen auch die Aufbereitung in der mechanischen Behandlungsstufe unrentabel werde.

Vorteile von MBA sieht die Studie in der Flexibilität bei geänderten Anforderungen des Ab- fallmarktes. Abhängig von den jeweiligen Standorten verfolgen die Betreiber von MBA unter- schiedliche Lösungsansätze bis hin zu Teilstilllegungen der biologischen oder mechanischen Aufbereitungsstufe.

Geringere Deponate, bessere Qualität

Als wesentlichen Kritikpunkt an der MBA-Technologie stellt die Studie die Erzeugung eines Deponats heraus, das zwar die Ablagerungskriterien erfüllt, jedoch im Vergleich zur thermischen Abfallbehandlung in hohen Mengen abgelagert werden muss. Aufgrund knapper werdenden Deponieraums stelle die MBA damit keine zukunftsweisende Technologie dar, so die Studie von trend:research.

Die Studie räumt ein, dass nicht alle MBA gleich bewertet werden könnten. Insbesondere Anlagen, die das Verfahren der mechanisch-biologischen Stabilisierung oder der mechanisch-physikalischen Stabilisierung nutzen, können zukünftig besser im Wettbewerb bestehen, da sie nur geringe Mengen an bzw. kein Deponat erzeugen und stofflich nicht verwertbares Material für die energetische Verwertung aufbereitet werde.

Neben der geringen zu deponierenden Menge bieten MVA einen wesentlichen Vorteil in der direkten Wärme- und Stromerzeugung aus dem Abfall. Auch die Qualität und die Quantität der recycelten Eisen- und Nichteisen-Metalle sei bei der Abfallverbrennung höher.

Energieeffizienter als MVA

Dir Studie wurde am 17. März 2015 in Hannover die DGAW-Regionalveranstaltung „10 Jahre TASI – 10 Jahre MBA`s – Status quo und Zukunft“ durch trend:research – Geschäftsführer Dirk Briese vorgestellt. Ihm widersprach Dr. Ketel Ketelsen, Geschäftsführer des Ingenieurbüros für Abfallwirtschaft und Energietechnik in Hannover (iba GmbH) und Beirat der ASA e.V., in der die meisten MBA organisiert sind: „MBA werden auch künftig eine Rolle in der deutschen Abfallwirtschaft spielen. Sie sind optimierbar und mindestens auf demselben ökologischen Niveau wie MVA.“

Ketelsen weiter: Der Im Durchschnitt deponieren MBA heute nur noch ca. 20 Prozent des Inputs. Der Großteil des Outputs wird als Ersatzbrennstoff MVA und EBS- Heizkraftwerken zur Verfügung gestellt. Durch die Heizwertanreicherung bleibt der Energiegehalt erhalten. Die Überkapazität an Behandlungsanlagen zwingt die Betreiber aller Behandlungsanlagen dazu, über Umnutzung oder Teilschließung nachzudenken. MBA haben den Vorteil, auch als Sortieranlagen oder Verwertungsanlagen für biologische Abfallströme genutzt werden zu können. Bei der Energieeffizienz sieht Ketelsen die MBA auf gleichem Niveau mit MVA; bei der Klimarelevanz schneidet die MBA tendenziell sogar besser ab, da der Ersatzbrennstoff zu 50 Prozent in EBS-Heizkraftwerken mit hoher Effizienz verwertet wird.

Es besteht Handlungsbedarf

Thomas Obermeier, Präsident der DGAW und Moderator der Veranstaltung, resümierte: „Das große Interesse an der Veranstaltung zeigt klar die Aktualität des Themas. Auch wenn Betreiber von MBA unterschiedliche Rückschlüsse aus der aktuellen Situation ziehen, zeigt sich dennoch übergreifend, dass Handlungsbedarf besteht. Als DGAW gehört es zu unseren Aufgaben, Diskussionsräume zu schaffen und durch Expertenwissen anzureichern, um Entscheidern der Branche Handlungsspielräume zu eröffnen. Die jüngste Regionalveranstaltung hat dieses Ziel erreicht – das zeigte nicht zuletzt die engagierte Diskussion“.

Der Vortrag von Herrn Dr. Ketelsen ist auf Anfrage bei der DGAW-Geschäftsstelle über Telefon: 030-84 59 14 77 oder E-Mail: info@dgaw.de erhältlich.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Abfallwirtschaft e.V. (DGAW)