Windkraftanlagen: ICT testet Rotorblatt-Sprengung fürs Recycling

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Windkraftanlagen (Foto: Kroll/Recyclingportal.eu)

Wien, Österreich — Über 24.000 Windräder gibt es heute in Deutschland, in Österreich laut IG Windkraft etwas mehr als 1.000. Die meisten Anlagen werden stillgelegt, wenn neue, leistungsfähigere Modelle angeschafft werden oder die Förderung ausläuft. Bei einer Betriebseinstellung sehen die Baugenehmigungen in der Regel vor, dass der Betreiber die Anlage zwingend zurückbauen muss.

Der Abbau der tonnenschweren Rotorblätter und Gondeln ist nicht nur aufwändig, er wirft weitere Fragen auf. Stahl ist der einzige Rohstoff abgewrackter Windräder, der sich relativ einfach und lohnenswert verkaufen lässt. Bauteile wie funktionstüchtige Getriebe finden oft als Ersatzteile Abnehmer, und die Beton-Fundamente der riesigen Anlagen werden zum Teil zerkleinert im Straßenbau verwendet. Doch für die riesigen Rotorblätter wurde noch keine vernünftige Lösung gefunden: Sie bestehen überwiegend aus Verbundwerkstoffen. Etwa aus glasfaserverstärktem Kunststoff, den man nur schreddern und in einem speziellen Zementwerk verbrennen kann.

Laut einer Untersuchung des Fraunhofer-Instituts für Chemische Technologie (ICT) lassen sich über 80 Prozent des Schrotts wie Kupfer oder Aluminium recyceln. Am ICT nahe Karlsruhe forscht ein Wissenschaftler-Team unter der Leitung von Elisa Seiler auch über sinnvolle Verwertungsmöglichkeiten für die Rotorblätter. Um an die wertvollen Verbundmaterialienneuerer Windräder wie z.B. Carbonfasern heranzukommen, wurde zuletzt auch eine abenteuerlich anmutende Variante erfolgreich getestet: die energetische Demontage. Dabei werden die Flügel mit Hilfe von Sprengstoffschnüren gezielt gesprengt, um die Einzelteile dem Recycling zuzuführen.

Es gibt allerdings einen guten Grund, warum das Windrad-Recycling nicht so recht in Schwung kommen will: Ausrangierte Modelle aus westlichen Ländern landen zumeist auf dem lukrativen „Second-Hand-Markt“ für Windkraftanlagen. Osteuropäische Länder wie Rumänien, Bulgarien und Polen kaufen gut erhaltene bzw. reparierte Windräder für einen Bruchteil des Neuwerts auf. Bei guter Wartung bedeuten 20 oder 25 Jahre Energiegewinnung für Windkraftanlagen noch lange kein Aus.

Quelle: UFH Holding GmbH