Biomasseproduktion ist endlich: Abfälle und Reste besser verwerten und recyceln

1432
Biomasse-Anlage (Foto: Kroll/Recyclingportal.eu)

Freiburg — Wie negativen Auswirkungen durch die Herstellung von Bioenergie begegnet werden kann, untersuchen derzeit Experten des Öko-Instituts für die Europäische Kommission im Projekt ReceBio (Study on Impacts on Resource Efficiency of Future EU Demand for Bioenergy). Gemeinsam mit fünf Partnern analysieren sie den Einfluss der Bioenergieproduktion für die EU auf die Ressourceneffizienz. Dafür werden aktuelle Bioenergienutzungen, ihre Auswirkungen auf die Umwelt sowie Wechselwirkungen mit Sektoren, die Biomasse nutzen, untersucht. Denn: „Die Biomasseproduktion lässt sich nicht beliebig steigern“, meint Hannes Böttcher vom Öko-Institut.

Zertifizierungen für nachhaltige Produktion

Neben sehr konkreten Vorschlägen für mehr Nachhaltigkeit beim Biomasseanbau gibt es zahlreiche grundlegende Ansätze, wie die Auswirkungen auf Umwelt, Klima und Gesellschaft verringert werden können. „Eine Maßnahme sind etwa Zertifizierungen für Biomasseprodukte, die eine nachhaltige Produktion gewährleisten“, sagt Hannes Böttcher, Senior Researcher aus dem Institutsbereich Energie & Klimaschutz. „Ein Beispiel hierfür ist das FSC-Siegel des Forest Stewardship Council, das verantwortungsvolle Waldbewirtschaftung fördert.“ Eine Zertifizierung, die jedoch freiwillig ist. Abkommen mit Produzentenländern und klare Importstandards der EU könnten deshalb einen weiteren wichtigen Beitrag leisten. Diese sollten EU-weit gelten wie das seit einigen Jahren bestehende FLEGT-Abkommen (Forest Law Enforcement, Governance and Trade), das den illegalen Holzeinschlag bekämpfen soll.

Die derzeitigen EU-Nachhaltigkeitsstandards für Biokraftstoffe gehen Hannes Böttcher allerdings nicht weit genug. „Schwierig ist, dass die Standards nur für flüssige Biokraftstoffe gelten, nicht für feste Biomasse oder andere Verwendungen der Biomasse. So können Verdrängungseffekte auftreten. Denn aufgrund der begrenzten Standards kann es passieren, dass die nachhaltige und zertifizierte Produktion etwa von Raps dann für Biosprit verwendet wird und damit gleichzeitig die Auswirkungen der Produktion von Lebensmitteln, in diesem Fall Speiseöl, schlechter werden, da es hier diese Nachhaltigkeitsstandards nicht gibt“, sagt er.

Recyclingausbau und Effizienzerhöhung

Durch die Ausweitung solcher Maßnahmen kann Biomasse nachhaltiger werden. Eines wird sie jedoch nie können: die fossilen Energien vollständig ersetzen. In der EU wird das nachhaltige Bioenergiepotenzial auf etwa 20 Prozent des momentanen Energieverbrauchs geschätzt. Dieses ist stark von den Ambitionen anderer Länder abhängig, verstärkt Biomasse einzusetzen. „Das Ziel kann es nicht sein, fossile Energien und Materialien einfach mit Biomasse zu ersetzen. Das Potenzial haben nachwachsende Rohstoffe nicht“, sagt Hannes Böttcher.

Den Begriff der Bioökonomie, also einer bio-basierten Wirtschaft, sieht er daher auch kritisch. Ihm geht er nicht weit genug. „Die Produktion von Biomasse ist zwar regenerativ, aber sie ist trotzdem endlich. Also brauchen wir mehr als das – so etwa den Ausbau des Recyclings sowie eine höhere Effizienz der Biomassenutzung.“ Wichtige Schritte auf diesem Weg sind für den Wissenschaftler zum Beispiel, Stoffkreisläufe zu schließen sowie Nachernteverluste zu vermeiden. „Wichtig sind auch Maßnahmen für eine bessere Verwertung von Abfällen und Reststoffen, so etwa die Getrennthaltungspflicht für biologische Abfälle, die in der EU eigentlich gilt, aber noch nicht überall umgesetzt wurde.“ Denn ja, das Angebot an Biomasse ist groß. Aber eben nicht groß genug, um es zu verschwenden.

Der vollständige Artikel zu diesem Thema kann unter oeko.de nachgelesen werden.

Quelle: Öko-Institut e.V.