Die Talsohle scheint erreicht: Edelmetall-Wirtschaft rechnet mit leichtem Wachstum

1268
Edelmetalle (Foto: Kroll / Recyclingportal.eu)

Pforzheim — Mit Wachstum in der Edelmetallwirtschaft kann in Nordamerika, in Asien , aber auch in Deutschland gerechnet werden. Probleme könnten die Ölexporteure und Russland bekommen. In Deutschland zeichnet sich wie 2014 ein Wirtschaftswachstum von 1,5 Prozent ab – getrieben durch den privaten Verbrauch und durch sinkende Energieausgaben. Das erklärte Dr. Peter Dorner, Vorsitzender des Arbeitsausschusses Edelmetallwirtschaft, heute in Pforzheim beim 7. Pressegespräch der Fachvereinigung Edelmetalle e.V..

Dietmar Becker, Stellvertretender Vorsitzender des Arbeitsausschusses Edelmetallwirtschaft, erinnerte an die besondere Rolle, die Edelmetalle aufgrund ihrer einzigartigen Eigenschaften in Wirtschaft und Gesellschaft spielen. Edelmetalle sind nach Becker unverzichtbare Schlüsselwerkstoffe für die technologische Entwicklung der Menschheit. Die High-Tech Produkte, die alle heutzutage faszinierten, könnten ohne Edelmetalle nicht entwickelt oder produziert werden.

Zum Einsatzgebiet der Elektronikindustrie stellte Becker ein leichtes Wachstum von etwas mehr als 2 Prozent in 2014 fest, wobei der Absatzmarkt China eine sehr wichtige Rolle spiele. Edelmetalle würden z.B. in Schaltkreisen und Kontakten, in Windkraftanlagen und in der Photovoltaik verwendet.

Platin, Gold und Silber nachgefragt

Platingruppenmetalle dienen der Luftreinhaltung durch ihren Einsatz in Autoabgaskatalysatoren oder auch in Brennstoffzellen. Auch die Nachfrage der Automobilindustrie ist nach Becker im vergangenen Jahr leicht gewachsen. Die Wiederverwendung verbrauchter Katalysatoren sei erneut gestiegen.

Gold und Silber sind ein wichtiges Anlagegut. Ihre Bedeutung habe seit der Weltfinanzkrise 2009 erheblich an Bedeutung zugenommen, so Becker. Jeweils ein Viertel dieser Edelmetalle gehe in den Anlagebereich. Trotz gesunkener Edelmetallpreise sei die Nachfrage hoch.

Edelmetall-Recycling bleibt Paradefeld

Das Recycling von Edelmetallen bleibt nach Becker das Paradefeld der deutschen Scheideanstalten. Im Vergleich zur Primärgewinnung lasse sich mit Recycling ein Vielfaches der Bergbau-Ausbringung herstellen. Edelmetall-Recycling sei wirtschaftlich sinnvoll und schone Umwelt und Ressourcen. Das Goldrecycling erfahre zudem in den führenden Scheideanstalten umfangreiche Prüfungen der Materialherkunft. Die Altgoldmenge habe nun nach den Preisrückgängen der letzten Zeit ein stabiles Mengenniveau erreicht. Das gleiche gelte für Silber, wobei hier der Preis im industriellen Recyclingumfeld kaum eine Rolle spiele.

Schmucklegierungen zeigen sich erholt

Dr. Dorner berichtete, dass bereits 2013 der langjährige Trend beim Absatz von Schmuckhalbzeug gestoppt werden konnte. Im vergangenen Jahr seien die Mengen sogar gestiegen. Begünstigt wurde diese Entwicklung durch niedrigere Edelmetallpreise. Bei den Scheideanstalten habe sich der Trend zu einer höheren Fertigungstiefe fortgesetzt. Der Schwerpunkt bei den Schmuckherstellern liege jetzt verstärkt beim Design und beim Vertrieb. Dr. Dorner erwartet, dass die Absatzmenge bei Schmuckhalbzeug 2015 ähnlich hoch liegen wird wie 2014 – vorausgesetzt, dass sich die Edelmetallpreise nicht wesentlich ändern.

Dental-Legierungen mit leichtem Rückgang

Trotz weiter bestehender ungünstiger Rahmenbedingungen – Substitution durch preiswertere Materialien, neue Technologien ohne Edelmetalle – ist der Absatz edelmetallhaltiger Dentallegierungen 2014 im Vergleich zum Vorjahr nur leicht gesunken, so Dr. Dorner. Die Talsohle scheine erreicht. Eine Trendumkehr erwartet Dr. Dorner jedoch nicht.

Quelle: Fachvereinigung Edelmetalle e.V.