Österreichs Aluminiumbetriebe punkten mit hoher Recyclingkompetenz und Wachstum

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Aluminiumschrott (Foto: Marc Weigert)

Wien — Der 13. Internationale Aluminium Recycling Kongress öffnete gestern seine Tore für über 120 Experten aus aller Welt, die sich mit Recycling befassen. Mit Unterstützung des österreichischen Fachverbandes der Nichteisenmetallindustrie (NE-Metall) der Wirtschaftskammer Österreichs (WKÖ) organisiert der Europäische Aluminium Verband (EAA) diese Veranstaltung. Zentrale Themen sind neben einem aktuellen Marktausblick vor allem Innovationen im Aluminiumrecycling. Auf EU-Ebene fordert die Branche nachhaltige Regularien ein, um die Versorgung mit Aluminium als Rohstoff im Recyclingkreislauf sicherzustellen.

EAA Generaldirektor Gerd Götz kommentierte: „Europa ist mit 220 Werken in 24 Ländern der weltweite Marktführer in Aluminium Recycling. Der hohe Wert von Aluminiumaltmetall führt dazu, dass es vermehrt zum Material der Wahl für die Produktion von innovativen und nachhaltigen Produkten wird – vor allen wegen der ökonomischen sowie der ökologischen Vorteile.“ „Auch die österreichische Aluminiumindustrie profitiert dank ihrer innovativen Technologien von diesem Wachstumstrend“, freute sich Roman Stiftner, Geschäftsführer des Fachverbandes der Nichteisen-Metallindustrie (FV NE-Metall) in der WKÖ.

Fachverbandsgeschäftsführer Roman Stiftner ergänzte weiter:
„Aluminium wird in Österreich ausschließlich auf Recyclingbasis hergestellt. Primäraluminium wird hierzulande aufgrund der hohen Energiekosten nicht mehr erzeugt. Daher hat Aluminiumrecycling in Österreich einen bedeutenden Stellenwert. Aufgrund hoher Recyclingkompetenz und laufender Investitionen in Technologie und Ausbildung spielen österreichische Recyclingbetriebe eine führende Rolle am europäischen Markt. Gemeinsam mit dem europäischen Verband EAA fordert unser Fachverband verbesserte regulative Maßnahmen für die Aluminiumindustrie in Europa damit unsere Unternehmen auf zukünftige Herausforderungen und gesellschaftliche Bedürfnisse besser reagieren können.

Aluminium ist eine wahre Energiebank, da es 95 Prozent weniger Energie benötigt als bei der Erstproduktion. Darüber hinaus kann Aluminium beliebig oft wiederverwertet werden und wird ohne Qualitätsverlust immer und immer wieder in Produkten verwendet. Tatsächlich befinden sich 75 Prozent des jemals produzierten Aluminiums immer noch in Gebrauch.

Um jedoch alle Vorteile von recyceltem Aluminium zu nutzen, ist die Aluminiumindustrie der Überzeugung, dass robuste EU-Regularien benötigt werden, um langfristig sowohl den Vorrat an Aluminiumaltmetall zu sichern, als auch um Investitionen und Innovationen zu fördern. Um die ambitionierten Recyclingziele erreichen zu können, sind verbesserte Sammel- und Sortierabläufe notwendig. Darüber hinaus muss sichergestellt werden, dass Altmetalle nicht durch Grauexporte der europäischen Recyclingindustrie verloren gehen. Durch die Technologieführerschaft ist die europäische Aluminiumindustrie in der Lage, mit Unterstützung bei weiteren Investitionen in neue Technologien, die Entwicklung zu einer innovativen Kreislaufwirtschaft voranzutreiben.

Großaufträge aus der Luftfahrtindustrie und Automobilsektor:
Aluminium ist derzeit das Metall, dessen Nachfrage weltweit am stärksten wächst. Insbesondere durch immer neue Innovationen im Fahrzeugbau steigt der Bedarf nach Aluminium stetig an. So wird in der Automobilindustrie in Europa – nach internationalen Branchenberechnungen – pro Pkw dreimal mehr Aluminium verbaut als noch vor 20 Jahren – durchschnittlich 140 kg, in den USA sind es sogar 160 kg. Zurzeit steigt der weltweite Alu-Bedarf um 6 Prozent pro Jahr. Die Nachfrage hat sich in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt und wird sich nochmals verdoppeln.

Nach Märkten betrachtet, befinden sich insbesondere China und Indien im Fokus, deren Nachfrage nach Aluminium stetig steigt. Der Trend zeigt den weltweiten Abbau der Lagerbestände und eine Anstieg der Aluminiumpreise seit dem vergangenen Frühjahr um rund 25 Prozent. Fraglich ist aber die weitere wirtschaftliche Entwicklung in China und damit verbunden das weltweite Preisniveau.

In Österreich selbst erwirtschaftete die Branche 2014 2,43 Mrd. Euro in ca. 15 Betrieben mit rund 4.000 Beschäftigten. Aluminium wird in Österreich ausschließlich auf Recyclingbasis hergestellt. Primäraluminium wird hierzulande aufgrund der hohen Energiekosten nicht mehr erzeugt. Daher hat Aluminiumrecycling in Österreich einen bedeutenden Stellenwert. 2014 wurden 520.000 Tonnen Sekundäraluminium produziert, gegenüber 2012 eine Steigerung um 40.000 Tonnen, erläutert DI Roman Stiftner, Geschäftsführer des Fachverbandes der Nichteisen-Metallindustrie in der WKÖ. Auch der Einsatz von Schrott erfuhr im Jahr 2014 einen leichten Anstieg auf 440.000 Tonnen. Aluminiumschrott deckt damit etwa 75 – 80 % des Vormaterialbedarfs (abhängig vom Produktmix) ab.

Vor diesem Hintergrund wurden u.a. Standort Ranshofen in Oberösterreich, an dem gleich mehrere Aluminiumbetriebe angesiedelt sind, die Produktionskapazitäten in den letzten Jahren erheblich ausgebaut. Ein weiterer Meilenstein ist die Investition in ein neues Kaltwalzwerk sowie Veredelungsanlagen mit geplanter Inbetriebnahme in 2017, womit die Kapazität auf über 300.000 Tonnen verdoppelt werden soll. „Die Ausrichtung der heimischen Aluminiumfirmen konzentriert sich auf die weltweiten Wachstumsmärkte mit einer steigenden Nachfrage nach Aluminium, sowie auf Absatzmärkte für Aluminiumprodukte wie die Automobil-, Luftfahrt- und Verpackungsindustrie sowie die Bereiche Maschinenbau, Transport oder die Bauindustrie“, so Stiftner.

Damit die heimische Aluminiumindustrie auch weiterhin wettbewerbsfähig bleibt, fordert der Fachverband eine klare Ausrichtung der Rahmenbedingung bei umwelt- und energiepolitischen Themenstellungen. „Das bedeutet: Energiepreise, die sich unsere Betriebe auch leisten können, denn die Preissituation ist angespannt. Auf europäischer Ebene bedeutet das die Vervollständigung des europäischen Energiebinnenmarkts und das Überdenken der europäischen Energie- und Klimapolitik um den europäischen Standort langfristig abzusichern. Eine weitere langfristige Steigerung der Energieeffizienz durch innovative Recyclingtechnologien muss forciert werden“, unterstrich der FV-Geschäftsführer.

Mit Sorge betrachtet die Aluminiumindustrie den jüngsten EU Vorschlag der Einstufung von Blei als reproduktionstoxisch ab einem Anteil von 0,03 Prozent Blei im Schrott. Dies würde das Aluminiumrecycling nachhaltig behindern, da Aluminiumschrotte technisch bedingt häufig mehr als 0.03% Blei aufweisen. Unverzichtbar für Aluminiumrecycling ist der Zugang zu und die Verfügbarkeit von Aluminiumschrott in entsprechender Qualität und Menge. Die Verhinderung eines stärkeren Schrottabflusses aus Europa zur Rohstoffsicherung ist ein Thema, das auf europäischer Ebene einer Lösung harrt. „Hier besteht Handlungsbedarf, denn sonst lässt sich der steigende Aluminiumbedarf in Europa nicht decken – und wir stärken in einem Golden Plating wieder andere Märkte und schwächen damit den Wirtschaftsstandort Europa!“, so Stiftner.

Über den Fachverband der Nichteisenmetallindustrie in Österreich:
Der Fachverband der Nichteisenmetallindustrie umfasst insbesondere die österreichische Aluminiumindustrie, welche Sekundäraluminium und Produkte der ersten und zweiten Verarbeitungsstufe herstellt. Die Mitgliedsfirmen erzeugen eine breite Palette an hochwertigen Aluminiumprodukten in Einklang mit den Grundsätzen der Nachhaltigkeit und umweltschonendem Recycling.

Über European Aluminium Association:
Der europäische Aluminiumverband „European Aluminium Association“ wurde 1981 gegründet und vertritt die gesamte Wertschöpfungskette in Europa, von der Herstellung von Tonerde und Primäraluminium über die Halbzeug- und Fertigwarenherstellung bis zum Recycling. Die Europäische Aluminiumindustrie beschäftigt ca. 255.000 Arbeitnehmer und erwirtschaftet einen jährlichen Umsatz von ca. 36,8 Billionen Euro.

Mehr Information unter www.alueurope.eu.
Mehr Informationen zum Kongress unter www.alueuroperecyclingcongress.eu.

Quelle: Fachverband NE-Metall – Wirtschaftskammer Österreich