ASA kritisiert mangelnde Berücksichtigung von Komposten in DüngeVO-Novelle

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Klärschlamm-Ausbringung (Foto: ©Thomas Max Mueller / http://www.pixelio.de)

Ennigerloh — Im Dezember 2014 hat das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) den Entwurf der Novelle der Düngeverordnung (DüV) veröffentlicht, zu denen die Länder und Verbände bis Ende Januar 2015 Stellung nehmen konnten. Die Folgen des vorliegenden Verordnungsentwurfs wären für die Anwendung von Düngemitteln und somit auch für Komposte und andere nichtlandwirtschaftliche organische Dünger durchaus gravierend. Die ASA – Arbeitsgemeinschaft Stoffspezifische Abfallbehandlung e. V. begrüßt die Zielstellungen der Neuordnung der guten fachlichen Praxis beim Düngen, sieht einige Punkte des vorgelegten Verordnungsentwurfs jedoch kritisch.

Unzureichende Berücksichtigung der Stickstoffbindungsformen

Bei der 170 kg Nges-Aufbringungsobergrenze sollen zukünftig alle organischen Düngemittel, sowohl tierischen als auch pflanzlichen Ursprungs vollumfänglich und ohne Beachtung der jeweiligen Stickstoffbindungsform berücksichtigt werden. Dabei sind insbesondere Humusdünger wie z. B. Kompost oder feste Gärprodukte aus der Bioabfallbehandlung für die Zielstellungen der Nitratrichtlinie anders zu bewerten als z. B. Gülle. Da der vorliegende Entwurf der DüV in seiner Gesamtheit somit die spezifischen Eigenschaften von Komposten – insbesondere hinsichtlich der stabilen Stickstoffdynamik in diesem Humusdünger – nicht ausreichend berücksichtigt, gefährden die neu geplanten Aufbringungsrestriktionen für Kompost die landwirtschaftliche Kompostverwertung und die damit verbundenen positiven Effekte, z. B. der Verbesserung bzw. den Erhalt der Bodenfruchtbarkeit.

Aufbringungs-Sperrfristen für Kompost unbegründet

Sperrfristen gelten bislang nur für Düngemittel mit wesentlichen Gehalten an verfügbarem Stickstoff (> 1,5 Prozent Gesamt-N und > 10 Prozent verfügbarem N). Künftig sollen die Sperrfristen für Düngemittel mit einem Gesamtgehalt von mehr als 1,5 Prozent N gelten, wobei die vorliegende Bindungsform des Stickstoffs wiederum keine Berücksichtigung findet. Viele Komposte wären somit zukünftig von der Sperrfrist ebenfalls betroffen. Diese soll für Festmist, Kompost und feste Gärprodukte nach dem vorliegenden Verordnungsentwurf der DüV vom 15. November bis 31. Januar gelten. Für die weiteren Düngemittel sollen die Sperrfristen für die Ausbringung darüber hinaus deutlich ausgeweitet werden und bereits ab der Ernte der Hauptfrucht, d. h. ab ca. Ende August, bis 31. Januar gelten.

Nach Ansicht der ASA ist jedoch ein Aufbringungsverbot auf gefrorenem Boden für Düngemittel ohne wesentliche Gehalte an verfügbarem Stickstoff, wie z. B. Komposte, fachlich nicht begründbar: Aus diesen Materialien ist ein nennenswerter Austrag von Stickstoff aufgrund der geringen Stickstofflöslichkeit und niedriger Bodentemperaturen im Winter in der Regel nicht zu besorgen. Vielmehr ist die Aufbringung von Komposten zum Schutz von Böden mit hohen Risiken für Strukturschäden gerade in dieser Zeit von Bedeutung, da gerade dann oft beste Bedingungen zur bodenschonenden Kompostausbringung vorliegen und so Schäden in der Bodenstruktur, die sich auch noch sekundär nachteilig auf die Stickstoffdynamik im Boden auswirken können, vermieden werden. Eine Verlagerung der Kompostausbringung in das meist nasse Frühjahr birgt neben pflanzenbaulichen Nachteilen die bereits genannte Gefahr der Bodenverdichtung.

Gesamt- anstatt löslichem Stickstoffanteil

Darüber hinaus sollte sich die alternativ in Wintermonaten zugelassene maximale Düngemittelgabe an Gesamtstickstoff (z. Zt. 60 kg/ha Gesamtstickstoff) bei Düngemitteln mit hohen Anteilen an organisch gebundenem Stickstoff sinnvollerweise am löslichen Stickstoffanteil orientieren. Orientiert sich die maximal zulässige Düngemittelgabe, wie im vorliegenden Verordnungsentwurf vorgesehen, am Gesamtstickstoff, so würde sich für Kompost z. B. eine Aufwandmenge von ca. 4,5 t Kompost-TM/ha ergeben. Diese geringe Menge ließe sich kaum gleichmäßig auf die Fläche aufbringen.

Mögliche Störung des Marktgleichgewichts

Insgesamt genießen gerade RAL-gütegesicherte Kompostprodukte in der Landwirtschaft eine hohe Akzeptanz, die sich auch in den in der Regel positiven Markterlösen für diese Nährstoff- und Humuslieferanten niederschlägt. Aufgrund der Kosten für Kompostprodukte ist die Landwirtschaft bestrebt, nur die Mengen einzusetzen, die unter pflanzenbaulichen Aspekten sinnvoll sind. Kompostprodukte werden somit i. d. R. nur in einem für den Erhalt der Bodenfruchtbarkeit erforderlichen Umfang von Landwirten aufgebracht. Fachlich nicht gerechtfertigte gesetzliche Einschränkungen bei der Verwertung von Kompostprodukten können dieses funktionierende Marktgleichgewicht deutlich stören und den weiteren Ausbau einer modernen Kreislaufwirtschaft verhindern. Dieses ist umso unverständlicher, als dass nach § 11 Abs. 1 des Kreislaufwirtschaftsgesetzes Bioabfälle, die einer Überlassungspflicht unterliegen, spätestens ab dem 1. Januar dieses Jahres getrennt zu sammeln sind. Bei einer konsequenten flächendeckenden Einführung der getrennten Bioabfallerfassung – bisher ist diese in ca. 340 Kreisen und kreisfreien Städten eingeführt – ist mit einem deutlichen Anstieg der getrennt zu behandelnden Bio- und Grünabfälle zu rechnen.

Da nach Erachten der ASA aber ein großer politischer Konsens besteht, dass die stoffliche und energetische Nutzung von Bioabfällen ein wichtiger Bestandteil einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft ist und anteilig auch zur Energiewende beiträgt – Bioabfallbehandlung ist Klima- und Ressourcenschutz – sind im Umkehrschluss auch die Rahmenbedingungen für eine ökologisch hochwertige Verwertung dieser Materialien zu schaffen. Hierzu kann eine Düngeverordnung einen wesentlichen Beitrag leisten, wenn sie die Humusbildungs- und Düngeeigenschaften von Komposten ausreichend berücksichtigt.

Nicht vor Ende 2015 zu erwarten

Der vorliegende Entwurf der Düngeverordnung ist laut Landwirtschaftsministerium zwischen den Fachressorts abgestimmt. Sich aus den Anhörungen von Ländern und Verbänden ergebende Änderungen werden voraussichtlich zu einem überarbeiteten Entwurf führen, der wiederum von der Kommission der Europäischen Union zu notifizieren ist. Mit dem Bundesratsverfahren ist frühestens im Sommer 2015 zu rechnen. Da vor dem Erlass einer novellierten Düngeverordnung darüber hinaus eine Änderung des Düngegesetzes erforderlich ist, ist die neue Düngeverordnung nicht vor Ende des Jahres 2015 zu erwarten.

Die vollständige Stellungnahme steht unter asa-ev.eu zum Download bereit.

Quelle: ASA – Arbeitsgemeinschaft Stoffspezifische Abfallbehandlung e. V.