E-Schrott-Branche kämpft mit schlechteren Rahmenbedingungen

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Foto: Ailie / pixelio.de

Salzburg — Die internationale Branche für Elektro- und Elektronikrecycling ist in diesem Jahr unter dem Eindruck schwieriger Marktbedingungen zum „International Electronics Recycling Congress IERC 2015“ nach Salzburg gekommen. Schon seit vielen Jahren gilt der IERC als renommiertes Branchentreffen internationaler Recyclingexperten, doch selten waren die Rahmenbedingungen für die Branche so schwierig wie in diesem Jahr.

 

„In den vergangenen zehn Jahren erlebte das E-Schrott-Recycling weltweit eine nie dagewesene Wachstumsphase“, sagte Stefan-Georg Fuchs vom weltweit größten Kupferrecycler Aurubis bei der Pressekonferenz in Salzburg. Nicht nur das Sammelaufkommen stieg steil an, auch die Metallpreise kletterten in ungeahnte Höhen. Doch inzwischen haben sich die Rahmenbedingungen drastisch verändert. Bereits vor zwei Jahren haben die Metallpreise den Rückzug angetreten. „Heute sind die meisten NE- und Edelmetallnotierungen auf dem Niveau von vor vier bis fünf Jahren“, erklärte Fuchs, der auch Mitglied des International Steering Committee des IERC ist.

Darüber hinaus hat auch der eingesammelte E-Schrott an Wert verloren. „Über die Jahre hinweg sind die Kupfer- und Edelmetallinhalte von Computern und anderen IT-Geräten kontinuierlich zurückgegangen“, erläuterte Fuchs. Bei einigen Gerätetypen sei der Metallinhalt innerhalb von nur zwei Typ-Generationen um mehr als 50 Prozent gefallen. Zugleich sind aber die Kosten für die Sammlung, die Aufbereitung und die umweltgerechte Verwertung gestiegen. Etliche Recyclingunternehmen hätten im vergangenen Jahr große Verluste erlitten oder mussten sogar den Betrieb einstellen, so Fuchs.

Um die Rahmenbedingungen für Recyclingbetriebe zu verbessern, fordert der Aurubis-Vertreter unter anderem mehr Anstrengungen, um den Bürgern die Bedeutung eines ordnungsgemäßen E-Schrott-Recyclings bewusst zu machen. Dies gelte für alle Länder weltweit, angefangen von der EU über die USA bis hin zu Indien und Brasilien. „Eine Steigerung der Effizienz der Sammelsysteme um nur wenige Prozent kann für viele Recyclingbetriebe schon den Unterschied zwischen Überleben oder Insolvenz ausmachen“, betonte Fuchs.

Die Bedeutung effizienter Sammelsysteme unterstrich auch Jean Cox-Kearns, Director of Compliance bei DELL Global Takeback.  „Die Geräte werden immer leichter, kleiner und enthalten immer weniger Edelmetalle“, sagte die Vertreterin des US-Computerherstellers bei der Pressekonferenz. Außerdem werde die Lebensdauer der Geräte verbessert. Die Recyclingwirtschaft müsse daher die Innovationsanstrengungen verstärken, um die Wirtschaftlichkeit des Recyclingprozesses zu erhalten. „Für Recycler sind Verfügbarkeit und Materialinhalte der Schlüssel zur Profitabilität“, sagte sie.

Aus Produzentensicht sei es das Ziel, die Kreislaufwirtschaft so gut wie möglich umzusetzen, indem gebrauchte Produkte wieder für die Produktion neuer Produkte verwendet werden, betonte die DELL-Vertreterin. „Damit Produzenten hierbei erfolgreich sein können, benötigen sie eine nachhaltige Versorgung mit geeignetem Material zum richtigen Preis.“ Wichtig sei aber auch, die ökologischen Aspekte der Kreislaufwirtschaft hervorzuheben. Um das Bewusstsein hierfür zu schärfen, seien Impulse von außen und andere Sichtweisen hilfreich. Jean Cox-Kearns verwies dabei auf den US-Amerikaner Ron Garan. Der ehemalige Astronaut erhält in diesem Jahr den „Green Cowbell Award“, mit dem die IERC-Veranstalter jedes Jahr Persönlichkeiten für ihre besonderen Verdienste ehren. Menschen wie Ron Garan würden mit ihrer Erfahrung und Sichtweise dazu beitragen, der Industrie ein neues Denken zu vermitteln, betonte Cox-Kearns.

Ron Garan ist ein hochdekorierter Kampfpilot, Entdeckungsforscher und Unternehmer. Er flog in seiner aktiven Zeit als Astronaut mit dem US-amerikanischen Space Shuttle und dem russischen Raumfahrzeug Sojus mehr als 71 Millionen Meilen im Weltall. Insgesamt lebte und arbeitete er 178 Tage im Weltall. Das hat seine Haltung zur Erde wesentlich geprägt. „Aus der Perspektive der Umlaufbahn sah ich eine Welt, in der natürliche Grenzen und von Menschen geschaffene Grenzen schrumpfen“, schilderte er auf der IERC-Pressekonferenz. „Ich sah eine Welt, in welcher der technische Fortschritt jeden Tag das Unmögliche möglich macht. Und als ich über die nächsten 50 Jahre nachdachte, stellte ich mir eine Welt vor, in der Menschen und Organisationen ihre Differenzen beilegen und zusammen gemeinsame Ziele verfolgen.“

Seither arbeitet Ron Garan daran, seine Vision jeden Tag ein Stück mehr zur Wirklichkeit werden zu lassen. Dafür engagiert sich der US-Amerikaner in vielen Umweltprojekten. Unter anderem ist Ron Garan Mitgründer der Non-Profit-Organisation „Manna Energy Foundation“. Die Organisation hat sich zum Ziel gesetzt, die Armut durch die Bereitstellung erneuerbarer Energien, Biogasreaktoren, hocheffizienter Kochherde sowie sauberes Wasser und Abwasser zu lindern. Er sei der festen Überzeugung, dass zielgerichtete Sozialunternehmen viele der existierenden Probleme in der Welt lösen könnten, betonte Garan in Salzburg.

Der Astronaut ist inzwischen der 9. Preisträger des „Green Cowbell Award“. Damit reiht er sich ein in die Riege zahlreicher renommierter Persönlichkeiten. Zu den bisherigen Preisträgern zählen unter anderem der EU-Parlamentarier Karl-Heinz Florenz, der MBA Polymers-Gründer Mike Biddle und Jim Puckett von der US-amerikanischen Umweltorganisation Basel Action Network.

Quelle: ICM AG