95 Prozent wieder verwertbar: TEXAID ist seit 35 Jahren ein Erfolgsmodell

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Foto: TEXAID

Schattdorf, Schweiz — Als TexAid 1978 gegründet wurde, schufen die sechs Hilfswerke Schweizerisches Rotes Kreuz, Caritas Schweiz, Winterhilfe Schweiz, Solidar Suisse, HEKS und Kolping Schweiz ein einmaliges Geschäftsmodell: Die Partnerschaft zwischen Non-Profit-Organisationen und einem privatwirtschaftlichen Unternehmer. Mit Erfolg, denn TexAid erwirtschaftete für seine angeschlossenen Hilfswerke und viele regionale karitative Organisationen in den letzten 35 Jahren über 100 Millionen Franken.

Die jährliche Sammelmenge beträgt in der Schweiz über 35.000 Tonnen (dies entspricht rund 160 Mio. Einzelstücken); alles in allem sammelt die Textilverwertungs-AG TexAid 76.000 Tonnen Alttextilien. Davon verwertet sie zwei Drittel in eigenen Sortier- und Produktionsbetrieben. Dank der sorgfältigen Sortierung sind 65 Prozent weiterhin tragbare Bekleidung, die in wirtschaftlich schwachen Ländern neue Besitzer findet. Etwa 30 Prozent sind Recyclingmaterial (Putzlappen, Recyclingwolle und Dämmstoffe) und lediglich ca. fünf Prozent sind Fremdstoffe und zerrissene, verschmutzte Textilien, die in der Kehrichtverbrennung entsorgt werden müssen.

Verwertung in kontrollierbare Hände

Den Ausschlag für die traditionell Altkleider sammelnden Schweizer Hilfswerke, eine eigene Sammel- und Verwertungsorganisation ins Leben zu rufen, gaben 1978 folgende Faktoren: Die Sammelergebnisse überschritten bei weitem die für die Direkthilfe nötigen Mengen, die Verwertung sollte in kontrollierbare Hände gelegt werden, es sollten damit möglichst viele Arbeitsplätze geschaffen werden und der grösstmögliche Erlösanteil sollte in die humanitären Projekte der Hilfswerke fliessen. Da Sammeln, Sortieren und Verkaufen von Altkleidern nicht zu den Kompetenzschwerpunkten von Hilfswerken gehören, suchten die Organisationen einen Partner mit dem erforderlichen Knowhow.

In Heinz Knecht, einem erfahrenen Textilrecycler aus Deutschland mit langer Verbundenheit zur Schweiz, fanden sie ihn. Der Unternehmer zeichnete verantwortlich für den Aufbau, die Arbeitsabläufe und die Schulung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und beteiligte sich auch finanziell an der Realisierung des TexAid-Sortierwerkes im Schattdorf. Sein grosses Engagement brachte Heinz Knecht die hälftige Beteiligung an der neu gegründeten TexAid​ Textilverwertungs-AG ein. Diese Partnerschaft zwischen Non-Profit-Organisationen und einem privatwirtschaftlichen Unternehmer ist in dieser Form und Branche bis heute in Europa einmalig.

150 Arbeitsplätze

Die Bedingungen der Hilfswerke erfüllt TexAid seit nunmehr über 35 Jahren erfolgreich. Das Unternehmen bietet heute 150 vertraglich und sozial gesicherte Arbeitsplätze, über 100 davon für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ohne Berufsausbildung. TexAid beteiligt die angeschlossenen Hilfswerke, Samaritervereine, Kolpingfamilien und viele regionale gemeinnützige Institutionen jährlich mit über 90 Prozent am erwirtschafteten Erlös.

Seit 2004 leitet Martin Böschen, der Enkel von Mitgründer Heinz Knecht, die Geschicke von TexAid. Die Grundwerte der Hilfswerke und seines Grossvaters hat er übernommen und mit ökologischen und ökonomischen Fortschritten verbunden. So kamen Sortierwerke und Putzlappenproduktionen in Bulgarien (2005) und Ungarn (2008) hinzu.

Mit weltweit modernstem Sortierwerk

Seit 2009 sammelt TexAid ebenfalls in Deutschland und übernahm im August 2013 Resales, Deutschlands drittgrössten Textilrecycler mit zwei modernen Sortierbetrieben und 29 eigenen Secondhand-Shops. Seit 2011 gehört zudem die Schweizer Sammelorganisation Contex AG zur TexAid-Gruppe; ihr angeschlossen sind Hilfswerke wie Terre des hommes, die Schweizerische Bibliothek für Blinde, Seh- und Lesebehinderte SBS und viele regional tätige karitative Institutionen.

Das 2008 erstellte weltweit modernste Sortierwerk im urnerischen Schattdorf verarbeitet jährlich 6.000 Tonnen Alttextilien und bereinigt den Rest von allfälligen Fremdstoffen und Abfall, bevor die Ware zur Sortierung in eigene und fremde Sortierwerke exportiert wird. Grösstenteils erreicht die Sammelware aus der ganzen Schweiz das Werk umweltfreundlich per Bahn.

Quelle: TeEXAID Textilverwertungs-AG